Von Piraten und Erdbeben
Von Boliqeime, unserem „Wohnort“, aus dauerte es ca. eine Stunde, ehe wir unser Ziel in Sagres erreichten. Auf dem üppigen Parkplatz der Landspitze Ponta de Sagres angekommen, umrundeten uns direkt ein weites, flaches Land und das Rauschen des Meeres. Vor uns war das bekannte Fort, das die Portugiesen einst vor den Gefahren vom offenen Meer kommend beschützt hat. Dennoch wurde es 1587 bei einem Piratenangriff zerstört, ein Erdbeben 1755 tat sein Übriges. Einige Reste davon stehen allerdings noch.
Um das dahinterliegende Gelände zu erreichen, muss ein Eintrittsgeld von 10 € gezahlt werden. Ich denke, das ist in Ordnung, da das Gelände sehr gepflegt ist und sich dort auch Toiletten und ein Museum befinden.
Die letzte Bratwurst vor Amerika
Gleich zu Beginn bemerkt man die schiere Größe des Areals am kleinen Zipfel Südwesteuropas. Der Rundweg hinter dem großen, leeren Platz, auf dem lediglich das Museum, das Rosa dos Ventos und eine kleine Kirche stehen, ist rund 2 Kilometer lang. Die Flora ist entsprechend des Klimas angepasst und erinnerte mich ein wenig an dänische Küsten. Auf den zahlreichen Infotafeln wird erklärt, was zu sehen ist und welche Tiere und Pflanzen dort heimisch sind.
Auch wenn bei unserem Besuch die Sonne zeitweise durch einige Wolken verdeckt war, so muss man dennoch tierisch aufpassen, sich nicht den Nacken zu verbrutzeln. In Richtung Westen sieht man dann das, was wir ursprünglich sehen wollten, nämlich das Cabo de São Vicente, also den südwestlichsten Punkt Kontinentaleuropas. Macht aber gar nichts, denn Sagres ist durchaus sehenswert. Verpasst haben wir dafür leider buchstäblich die „Letzte Bratwurst vor Amerika“.
Hohe Klippen
Apropos Amerika: An diesem Punkt kann man einmal in sich gehen, auf das weite, ruhige Wasser des Atlantiks hinausblicken und darüber nachdenken, dass das nächste, was man erreichen würde, wenn man übers Meer schippern würde, tatsächlich Amerika ist, wenn man mal die Azoren außen vorlässt. Der Blick von oben aufs Meer ist generell sehr toll gewesen. Man kann so weit schauen und kann riesige Schübe an sanften Wellen sehen. Richtig hypnotisierend. Wahrscheinlich sehen sie aber auch nur von weit weg so sanft und gleichmäßig aus.
Den guten Überblick bekommt man, weil die Klippen, auf denen das Fort erbaut wurde, mit 30 bis 60 Metern tatsächlich ziemlich hoch sind. Drüben sogar fast 70 Meter!
Irische Begegnung
Am fast südlichsten Punkt dann machten wir zunächst Fotos vor einem Loch in den Klippen, durch die man direkt auf das Meer sehen kann. Dort haben wir dann auch zwei ältere irische Damen kennengelernt. Als sie erfuhren, dass wir aus Deutschland sind, konterten sie, dass sie ja auch schonmal in den 70ern in Deutschland gewesen waren und dass das alles sehr interessant ist, mit unserer Mauer. Naja, sie wären wohl erstaunt, wenn sie nun erneut nach Deutschland reisen würden…
Erst danach entdecken wir dann eine merkwürdige, spiralförmige Struktur, an der fast alle Touristen vorbeigingen, die aber fast eines der Highlights des Trips darstellen sollte. Da wir außerordentlich neugierig sind, begaben wir uns in das spiralförmige Labyrinth und waren zunächst überfragt, welchem Zweck es wohl dient. Schlussendlich wurde in der Mitte jedoch schnell klar, worum es geht.
Die Stimme des Meeres
Die hohen, in Schichten angeordneten runden Betonwände des Voz do Mar dienten als Schallschutz nach außen. In der Mitte befand sich ein Loch im Boden, das offensichtlich sehr tief nach unten reichte. Über ein Gitter konnte man direkt über dem Loch stehen. Das Loch im Felsen war mit einer natürlichen Öffnung an den Klippen verbunden. Das dort reingeschwemmte Meereswasser drückt die Luft im Loch mit gewaltiger Kraft nach oben heraus. Zur Folge waren ein akustisch nie erlebtes Meeresrauschen und ein starker Luftstrom. Mit einem Mal kam das Rauschen, wurde ziemlich laut und verstummte sogleich auch wieder abrupt. Verrückt.
Je nach Seegang klingt das Geräusch des aus der Felsspalte strömenden Luftstroms schwächer oder stärker. Teilweise wummerte es schon ganz ordentlich.
Auf unserem Rückweg, zurück zum Start, statteten wir dann dem Museum noch einen Besuch ab. Ich würde gern mehr dazu erzählen, aber wir fanden es vergleichsweise unspannend. Es gibt ein paar interessante Exponate und Ausstellungen, aber im Großen und Ganzen war es nicht zu aufregend. Dafür wirkte es jedoch modern gestaltet und war zudem noch angenehm klimatisiert. Das Highlight für mich war das große Originaltor der Fortaleza de Sagres.
Ich möchte also zusammenfassen, dass sich ein Besuch definitiv lohnt, wenn man nicht gerade einen der wertvollen Urlaubstage am Strand, in der Stadt oder auf einer Bootstour verbringt. Wir fanden den Ausflug spannend, aber einen ganzen Tag muss man dafür nicht einplanen. Vor allem hat uns gefallen, dass dieser Ort nicht durch Touristen überfüllt gewesen ist.





